Ich freue mich auf die erste Reise mit meinem Sohn

Der Tag erwachte aus einer ruhigen Nacht. Maekyr schläft noch in der kleinen Hütte und so schnappe ich mir unseren kleinen Sohn, der schon längst erwacht ist und in seiner Wiege vor sich hin quietscht, um sich zu beschäftigen. Ich habe ein leichtes Frühstück vorbereitet und gehe mit meinem Picknickkorb vor die Tür. Im Schatten eines der hohen Bäume breite ich unsere Decke aus und schaffe für meinen Sohn und mich ein gemütliches Fleckchen für ein nettes Picknick. Als der kleine Krieger satt und zufrieden ist, lege ich ihn vor mir ab und beginne meinen Tee zu schlürfen. Es ist so friedlich, dass ich die Stimmen jedes einzelnen Vogels in den Bäumen erkennen kann. Die Sonne lugt durch die hohen Baumwipfel und Tyr spielt mit den wärmenden Strahlen, die auf sein Gesichtchen fallen. Er blinzelt und strahlt über beide Backen. Als ich meinen Sohn betrachte fällt mir auf, dass er schon wieder gewachsen ist. Die Zeit vergeht so rasend schnell. Ich schaue eine Ihn nicht hin und schwups hat er sich auf den Bauch gedreht und hebt seinen Kopf. Er stützt sich auf den kleinen Armen ab, so lange es seine Kräfte zulassen und legt sich wieder hin. Kurz darauf hebt er den Kopf erneut. Auch seinen Daumen hat er inzwischen entdeckt und schiebt ihn tastend in seinen Mund. Die ersten Zähnchen werden wohl nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Picknick_001

Ich lausche in die Hütte, doch dort ist es noch ruhig. Ich sehe meinen Gefährten vor meinem inneren Auge, während ich anfange für meinen Sohn Lieder über die Götter zu singen:

 

„Götter des Lebens, mein Gruß an euch.
Götter des Herzens, mein Heil an euch.
Götter der Seele, mein Preis an euch.
Götter der Menschen, mein Dank an euch.

Frey, gib uns Frieden und ein gutes Jahr.
Thor, verleih Stärke, sei immer da.
Njörd, gewähr uns Wohlstand und Glück.
Eira, bring Heilung unsrem Geschick

Tyr, lehre uns standhaft zu sein.
Sif, laß unsere Ernte gedeihn.
Frigga, schenk uns Frieden am Herd.
Heimdall, lehr uns der Wachsamkeit Wert.

Odin, laß uns Verborgenes sehn.
Skadi, lehr uns alleine zu stehn.
Gerd, bring des Lebens Garten zum Blühn.
Freya, laß unsre Liebe erglühn.

Götter, begleitet uns auf unsrem Weg.
Gebt uns Schutz auf Pfad und auf Steg.
Hört uns ihr Hohen, euch singen wir:
Asen und Vanen, gegrüßt seid ihr.“

 

Einen besseren Vater kann ich mir für unseren Sohn kaum vorstellen. Er hört sogar hin und wieder auf mich. Vor allem, wenn es um die Ernährung und die Gesundheit seines Sohnes geht. Maekyr ist ruhiger geworden. Überlegter und besonnener. Er denkt in einer Vaterkategorie, die ich ihm nie zugetraut hatte, ohne etwas von seinem Temperament und seiner Kraft eingebüßt zu haben. Möglich wäre, dass Tyr ihn hat erwachsener werden lassen. Der Kleine spielt mit meinen Fingern, die ich ihm hinstrecke und hebt seinen Kopf höher und höher an. Es ist wohl langsam so weit, dass er mehr sehen möchte, als mein lächelndes Gesicht. Er ist wach und neugierig auf die Umgebung in der er heranwächst. Seine Augen folgen den Geräuschen und dem Licht. Tyr zeigt mir jeden Tag, dass es ihm gut geht und dass er sich wohl fühlt. Maekyr und ich haben für unsere Familie die richtige Entscheidung getroffen. Trotzdem können wir nicht immer nur in der Abgeschiedenheit leben. Tyr muss auch andere Orte und Gegenden kennenlernen. So haben wir denn auch beschlossen, ihn so oft als möglich mit auf unsere Reisen zu nehmen. Die nächste Reise wird uns in die alte Heimat, nach En’Kara bringen. Dort auf der Insel im Süden kann man gute Waren kaufen und vielen Händlern begegnen. Das will ich ausnutzen, um unsere Vorräte aufzufüllen. Auf dem Rückweg werde ich meinen Bruder besuchen und ihm seinen Neffen vorstellen.

 

Flagari wird mich dieses Mal nicht begleiten. Die Trennung wird ihm schwer fallen. Ich glaube er hat sich in seinen kleinen Jarl verguckt, denn er kümmert sich liebevoll um ihn. Wir haben ein paar Felder angelegt, um für ein paar Wintervorräte selbst zu sorgen. In der Höhle herrscht ein angenehmes Klima, so dass sie ein hervorragendes Lager darstellt und uns sehr nützlich sein wird. Ich werde ein paar Reisevorbereitungen treffen und dann in ein paar Tagen unser schnelles Schiff besteigen, um Vorräte zu kaufen, Vergangenheit zu besuchen (denn ich bin sicher, dass in En’Kara alles beim Alten und doch alles neu sein wird) und ich will nach Hrimthur, wo ich mich kürzlich sehr wohl gefühlt habe, als Gast im Schosse eines nordischen Clans.

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Eingeordnet unter Juni 2013

Blitz und Donner hielten Wache bei seiner Geburt…

Der Bau der kleinen Hütte, die unser zu Hause werden sollte, ging Stück für Stück voran. Nayla war von ihrer Erkundungstour noch immer nicht zurückgekommen und so langsam machte ich mir Sorgen um das Mädchen meines Gefährten. Maekyr und Flagari fällten Bäume und bauten Stück für Stück an der Hütte. Seit der Abreise aus Kassau, wo wir uns mit ausreichend Proviant eingedeckt hatten, war mein Thrall Flagari nur selten von meiner Seite gewichen. Er schien meine Sorge, bezüglich der bevorstehenden Geburt zu spüren. Auch, wenn ich nicht darüber sprach. Oft begleitete er mich zu leichten Spaziergängen am Wasser entlang oder die seichten Hügel hinauf. Dabei lief er schweigend neben mir her und beobachtete mich. Der kleine Bewohner nahm mir mehr und mehr die Luft zum Atmen und so wurden meine Spaziergänge immer kürzer. Eigentlich überlegte ich, ob ich mich nicht zu Mia auf den Weg machen sollte, um den kleinen Bewohner in der Sicherheit und Obhut einer ausgebildeten Heilerin zur Welt zu bringen. Doch ich wusste, dass es dafür zu spät war. Mein Bauch hatte sich gesenkt und ich hatte Flagari angewiesen dafür zu sorgen, dass immer heißes Wasser da war. In den ruhigen Minuten des Tages versuchte ich der Logik folgend, Flagari vorzubereiten, damit er mir bei der Geburt helfen konnte.

 

Maekyr war auf die Jagd gegangen als die Abenddämmerung hereinbrach. Am Morgen wollte er zurück sein. Es war die Nacht vom 1. auf den 2. Tag der 4. Hand im Monat En’Kara im Jahre 10009 Contasta Germania Gor. Flagari und ich hatten uns in der Höhle zur Ruhe begeben, als es in der Ferne zu donnern begann. Es war tiefschwarze Nacht. Der Wind heulte um die Höhle herum und ich konnte den Niederschlag auf den Felsen hören, der mit lautem Platschen auf den grünen, Moos bewachsenen Boden und den Felsen der Höhle fiel. Ich öffnete meine Augen und starrte in die Finsternis, die durch das helle Zucken von Blitzen am Eingang der Höhle unterbrochen wurde. Plötzlich spürte ich diesen unglaublichen Schmerz, der sich anfühlte, als würde ich von innen zerrissen werden. Das mussten die Geburtswehen sein. Mein Schrei hallte durch die Höhle und weckte Flagari, der mich ängstlich ansah. Ich lag allein in der Einsamkeit des Nordens und lediglich mein Sklave konnte mir helfen. Ich schnaufte und versuchte gegen den Schmerz zu atmen.

 

Meine Anweisungen für Flagari brüllte ich ihm entgegen als schleuderte ich einen Speer auf den armen Kerl. „Wasser, Tücher…es geht los!“ Ein Schnaufen. Dann zerriss mich der Schmerz erneut und mir liefen die Tränen meine Wangen herunter. Schmerzen, die schlimmer waren, als ich es mir jemals ausgemalt hatte, lähmten mich. Ausgerechnet heute musste Maekyr Appetit auf Fleisch haben. Endlos schienen die Ahn, in denen sich der Schmerz hin und wieder beruhigte und mich für ein paar Ehn ruhen ließ. Dann folgte die nächste Wehe. Ich stemmte meine Füsse gegen den Felsen und stütze mich auf die Ellenbogen. Flagari hockte neben mir und ertrug meine Flüche, meine Schmerzensschreie und meine Nägel in seiner Haut voller treusorgender Geduld. Ab und an tupfte er mir mit einem Tuch die Stirn ab. Schmerz und Ruhe wogten hin und her, wie die Wellen des Thassa, die an die Ufer kamen und sich zurückzogen. Ein Gewitter En’Karas wanderte über uns hin und her. Es war als liefe der Kriegergott Thor in der Hall hin und her, direkt über unseren Köpfen und donnerte seinen Schritt auf den  Holzboden. Einige Ahn waren schon vergangen und ich konnte spüren, wie mich langsam aber sicher meine Kräfte verließen. Mein Thrall versuchte seine Aufregung zu verbergen, doch er sprach mit mir. Die ganze Zeit über konnte ich aber nur ein paar wenige Sätze wirklich verstehen. „Du machst das gut, meine Herrin. Nur weiter. Du schaffst das.“

 

Wieder eine Wehe. Der Schmerz war nicht zu beschreiben. Alles tat mir weh und mein Körper zitterte vor Kraftanstrengung. Erneut stemmte ich die Füsse gegen den Felsen und versuchte meinen Oberkörper zu heben. Dann rief Flagari plötzlich: „Herrin, ich kann den Kopf sehen! Nicht nachlassen!“ Es war wie eine Erlösung und ich sammelte meine letzten Kräfte. Ich holte Luft und presste. Voller Neugier versuchte ich mich aufzurichten und starrte zwischen meine Beine. Ich presste mit letzter Kraft. Flagari schob seine Hände auf die untergelegten Tücher und hielt im Morgengrauen meinen kleinen, strammen Jungen, der aus Leibeskräften brüllte in seinen Armen. Ich sank zurück in die Felle. Tränen und Schweiß rannen über mein Gesicht. Ich starrte den nackten, kleinen Kerl im Arm meines Sklaven an. Lachen und weinen, Schmerz und Glück. Scheinbar die ganze Welt konnte ich in diesem einen Moment auf einmal fühlen. Flagari versorgte den kleinen vorbildlich, wie es sich gehörte und sah nach mir. Ich lag müde und den letzten krampfenden Schmerz ertragend auf den Fellen. Keinen Blick ließ ich von meinem Sohn, der alles vergessen machte, als Flagari zu der Schüssel mit dem warmen Wasser ging und begann den Kleinen zu reinigen. Das Gewitter hatte sich die ganze Nacht über unserer Höhle hin und her bewegt. Immer wieder kam es mit Blitz, Donner und heftigem Niederschlag zurück. Thor hatte wohl keine Ruhe in dieser Nacht. So, wie auch ich keine Ruhe gefunden hatte. Flagari machte seine Sache ziemlich gut. Er säuberte das Baby und legte es mir, in frische Tücher gehüllt, in den Arm.

 

Wir waren gerade etwas zur Ruhe gekommen, als ich die patschenden Schritte von Maekyr im morastigen Boden hörte. Ich lachte und weinte. Ich küsste das kleine Köpfchen und sah in die blauen Augen meines Sohnes. Langsam schob sich die drahtig, muskulöse Gestalt Maekyrs in die Höhle. Als er mich mit dem Bündel sah, welches ausgerechnet jetzt zum ersten Mal schwieg, blieb er mit weit aufgerissenen Augen stehen. Es kam mir vor als stünde er eine Ewigkeit so im Eingang der Höhle. Langsam rutschte das Wild von seiner Schulter. Maekyr kam vorsichtig näher und sein ängstlicher Blick lag auf mir, die ich immer noch lachte und heulte und seinem Sohn, der sich erst einmal nicht rührte.

 

Maekyr hockte sich neben mich und strich mir die klebrigen Haare aus dem Gesicht. Da regte sich das kleine Bündel in meinem Arm. Kaum hatte Maekyr das Zucken der Tücher bemerkt, tippte er mit dem Zeigefinger darauf. Es war, als hätte er einen Knopf gedrückt, denn genau in diesem Moment öffneten sich die kleinen Lippen und sein Sohn brüllte erneut los. Wenn das mal keine Begrüßung für seinen Vater war. Regelrecht ergriffen und beeindruckt sah mich mein Gefährte an. Hatte ich etwa eine Träne in seinen Augen glitzern sehen? Aber nein, das musste das Licht des Feuers gewesen sein!

 

Ich versuchte mich etwas aufzurichten und schob Maekyr das Bündel in den Arm. Ich war zu müde zum Reden und viel zu glücklich über die Ankunft unseres Sohnes. Ich griff nach einem der Tücher, stippte es in das Wasser neben mir und wischte mir über das Gesicht. Maekyr hockte unbewegt neben mir. Als ich ihn ansah, hatte ich den Eindruck, dass sämtliche Farbe aus seinem Gesicht entwichen war. „Atmen großer Krieger. Du musst atmen!“, sagte ich zu ihm, als er tief Luft holte und seine Lungen sich füllten. In ein paar Hand würde ich das Schiff besteigen und versuchen Mia zu treffen, um mich und meinen Sohn gründlich untersuchen zu lassen.

 

Kraftlos sank ich in die Felle zurück. Maekyr gab mir unseren Sohn zurück. Er streckte sich neben uns am Feuer aus und sah seinen Sohn und mich an. Und ich sah die beiden an. Ich war so stolz auf das, was wir für uns erreicht hatten. Maekyrs Sohn und seine Mutter waren erschöpft von der Nacht. Der Kleine war geboren in einer unruhigen Nacht, im Schutz eines Gewitters. Als ich zwischen meinen beiden Männern hin und her sah, spürte ich es deutlich und formulierte es wie eine Frage, die ich an beide zu richten begann. „Tyr wäre doch ein passender Name für einen so lauten kleinen Krieger, der in so einer Nacht geboren wurde. Was meint ihr?“ Ohne noch auf eine Antwort zu warten schlief ich neben meinem Gefährten und unserem noch namenlosen Sohn, völlig erschöpft, am Feuer unserer Höhle ein.

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Eingeordnet unter April 2014

Träume kann man sich nur erfüllen, wenn man sich entschließt, daraus zu erwachen.

Unsere Abreise aus Fensalir war mir wie ein schlechter Scherz vorgekommen. Ich war aus einem dumpfen Schlaf erwacht und hatte den kleinen Bewohner gespürt. Es war, wie Saria sagte. So langsam hatte er immer weniger Platz und konnte sich nicht mehr recht bewegen. So trat er mir in die Rippen, lag auf meiner Blase herum und rumorte, wenn es ihm zu ruhig wurde. In diesen Momenten hatte ich den Gedanken, dass ich den Bauch, wie einen Rücksack vom Rücken nehmen wollte, um ihn einfach an Maekyr weiterzugeben. Schließlich war er der Vater und ein wichtiger Teil des Unternehmens Familie. Jedenfalls hörte ich Stimmen und Geräusche von meinem packenden Gefährten und seiner Sklavin, die sich daran machten, unser Hab und Gut auf das wartende Schiff zu verladen.
Ich stieg vorsichtig die Treppe hinunter und fragte Maekyr, was denn los sei. Seine Antwort war nicht wirklich lang. Er teilte mir mit, dass Vic, Godin und Kräuterweib, einen verletzten Krieger operiert hatte, der daraufhin ins Koma gefallen sei. Als er, Maekyr die Godin darauf befragte, was passiert sei, habe sie ihm dies auch gestanden. Erst später, als Finn und Saria dazugekommen seien, habe sie plötzlich alles geleugnet und die Wunden angeblich nur gesäubert. Dann sei Najla darüber befragt worden, was beinahe angemutet habe, wie ein Verhör. Er hatte daraus geschlossen, dass man ihm in dieser Sache nicht traute. Wie sollte man ihm dann bei wirklich wichtigen Dingen trauen. Für Maekyr sei dies eine Beleidigung. Finn hatte ihn immer als seine „rechte“ Hand betitelt, aber in so einer Sache glaubte man einem Kräuterweib mehr, als ihm. Das Brummen von Maekyrs Stimme fand seinen Resonanzboden in meinem Unterleib und schmerzte mich. Man hätte sich den Krieger doch nur anzusehen brauchen und hätte die laienhaften Nähte bemerkt. Schon daran hätte man sicher erkannt, dass hier kein Heiler am Werk gewesen war. Er murrte mich danach noch voll, dass es genau das sei, was den Norden und den Süden, so unterschiedlich sie auch sind, wieder so gleich macht: alles könnende, alles beherrschende Weiber! Er jedenfalls habe die Nase voll von diesem Unsinn. „Weiber mit Berufen im Norden!“ Dann wurde ich mit leichtem Gepäck aufs Schiff geschickt mit dem Auftrag dort zu warten und für Ordnung zu Sorgen in unseren beiden Kabinen. Ich stiefelte los und schüttelte den Kopf, denn ich wusste, dass nicht mehr viel Zeit bis zur Geburt unseres Kindes vor uns lag.
Wir waren ein paar wenige Tage unterwegs und nahmen in Kassau einiges an Proviant auf. Für ein paar Ahn hatte ich Gelegenheit meinen großen Bruder und seine Familie zu sehen. Ich zeigte ihm mein Tagebuch und er freute sich sichtlich, dass sein Geschenk diesen Verwendungszweck gefunden hatte. Dann reisten wir wieder in den Norden.
Irgendwo zwischen Fensalir und Helmutsport, im Thorvaldsland hatten wir eine Bucht mit klarem Wasser entdeckt. Vom Thassa aus waren Bäume und saftige Wiesen, ein Hügel und etwas Felsiges zu sehen gewesen, was uns neugierig machte. Wir ankerten und gingen an Land. Maekyr hatte die Arme gestreckt und sich umgesehen. Ich konnte es seinem Blick ansehen, dass er hier in der Nähe bleiben wollte. Ganz in der Nähe des Strandes hatte er eine Höhle entdeckt, die wir als erste Behausung für passend empfanden. Wir luden Felle, Proviant und ein paar wichtige Dinge ab und gestalteten uns ein Lager. Das Feuer brannte und ich konnte etwas Essbares zubereiten.
Maekyr und seine Sklavin hatten begonnen Bäume zu fällen, um einen kleinen Steg zu bauen. Es sah tatsächlich aus, als hätte Maekyr einen Plan. Er lief über das Grün und warf ein paar Steine auf das Gras. Als er damit fertig war, holte er mich. Er schritt mit mir den Bereich ab und deutete auf den Boden. „Hier, auf der kleinen Anhöhe wird unsere Hütte stehen. Nicht weit vom Wasser aber soweit, dass wir nicht überflutet werden. Am Steg kann das Schiff ankern. Mehr brauchen wir für unser Leben nicht. Ich habe die Nase voll von verlogenen, intriganten Dorfclans.“ So sollte es also sein.
Seine Sklavin hatte Maekyr inzwischen auf Erkundungstour geschickt. Sie sollte sich orientieren, wo die nächste Siedlung war. Wenn sie eine finden würde – gut. Wenn nicht – war es auch gut. Es war eigenartig. In dem Moment, wo ich von Bord des Schiffes geholt war, wusste ich, dass unser Leben nun hier in der Ruhe des Nordens und ohne weitere Menschen stattfinden würde. Ich war ruhig geworden in den letzten Monaten vielleicht auch länger.
Kassau war mit dem Schiff ein paar Tagesreisen entfernt und wir könnten von dort etwas Saatgut und ein paar Tiere kaufen, die wir hier domestizieren. Maekyr hatte Recht. Was brauchten wir andere, wenn wir uns hatten. Wir genügten uns vollkommen. Unser Sohn würde hier grenzenlose Freiheit erfahren. Ich würde ihn unterrichten und ihm alles beibringen, was ich wusste. Maekyr könnte ihn im Kämpfen und Kartenlesen unterweisen und ihn trainieren. Mehr würde der kleine Krieger nicht benötigen.
Ich saß, sicher gehalten von Maekyrs starken Armen und fühlte mich wohl. Wir saßen in unserem noch nicht vorhandenen Haus, auf der kleinen Anhöhe und betrachteten den schönsten Sonnenuntergang, den wir je gesehen hatte. Mein Herz klopfte zwar, weil ich wohl den Kleinen nur mit Hilfe von Maekyr und seiner Sklavin zur Welt bringen müsste aber Furcht verspürte ich keine. Gemeinsam waren wir stark und schafften doch immer alles.

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Eingeordnet unter April 2015

Langeweile, die einen über das Leben grübeln lässt

Das Ende des Jahres ist herbeigeeilt und hat ein neues Jahr mitgebacht. Wenn ich die Nase in den Wind halte, kitzelt die Sonne En’Karas meine Nase und man kann deutlich das Werden und Wachsen erkennen. Der Schnee ist geschmolzen und kleine zarte Pflänzchen besiedeln den feuchten Boden, der getränkt von der Schneeschmelze, hier und da regelrecht morastig ist. Mein Bauch ist gewachsen und der kleine Bewohner in mir wird bald kräftig genug sein, ohne meinen Körper leben zu können. Ich habe sehr viel Zeit zum Nachdenken, denn man gibt mir nicht wirklich viel Gelegenheit geschäftig zu sein. Ständig und von allen nur denkbaren Leuten höre ich die Worte „Schone dich, du wirst deine Kräfte bald brauchen.“ Aber so einfach ist das nicht, denn im Schongang verkümmern die Muskeln, die ich doch so sehr für meine Kräfte benötigen werde.

Ich liege auf meinem Bett und meine Hand tastet auf dem Fell nach Maekyr. Dieser ist aber nicht da und vergnügt sich mit Sklavin und Dorfjarl vermutlich in der Hall. So starre ich Richtung Dach unserer Hütte und grübel, wobei mir viele unglaubliche Gedanken durch den Kopf schießen. So ähnlich muss es sein, wenn man Kanda genommen hat. Man fühlt sich leicht und hat Gedanken, von denen man selbst nicht wusste, dass man so was denken kann. Manchmal ist es ein einzelnes Wort, was aufblitzt und dann wieder sind es Worte, die auf einen zugerast kommen und in ihrer Abfolge sogar einen Sinn machen. Wie die wärmende Sonne langsam dieses Jahr erweckt, so erwachen in mir Gedanken über das Leben. Über das Werden und Wachsen. Vornehmlich natürlich über den kleinen Bewohner, für den ich noch immer keinen Namen habe. Auch Maekyr hat sich bisher nicht geäußert. Wir werden ihn wohl wirklich ansehen und fühlen müssen, ehe wir wissen, wer er ist.

Vic hat dem kleinen Bewohner die Runen geworfen. Sie meinte, dass da wohl ein kleiner Berserker heranwachsen könnte. Immer wieder streichle ich über den dicken Bauch, in dem der Kleine sicher ruht und murmle wie ein Mantra immer wieder die Worte „Lass mich nicht mehr allzu lange auf dich warten. Ich bin so neugierig auf dich. Ich möchte sehen, wer du bist.“

„Die Geburt ist nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang. Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden, und seine Tragödie, dass die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind. Zu leben bedeutet, jede Minute geboren zu werden. Der Tod tritt ein, wenn die Geburt aufhört.“

*Erich Fromm*

Langsam senkt sich die Dämmerung über das Dorf. Die Sonne hat den Horizont schon längst geküsst und war zischend ins Wasser getaucht. Ich habe lange am Ufer gestanden und nachgedacht. Seit langem habe ich mich nicht mehr so unnütz gefühlt. Es gab nichts zu tun und ich konnte mich voll darauf konzentrieren die Hülle für meinen ungeborenen Sohn zu sein. Als ich völlig in meine Gedanken versunken vor unserer Hütte saß, kam Vic vorbei und hatte zum Glück für meine schweren Gedanken ein paar aufhellende Worte. Mir war klar geworden, dass ich meinen kleinen Bewohner bald mit dieser Welt teilen werde und ich war sicher, dass er sich eines Tages einen Teil dieser Welt erobern würde. Die nächsten Tage werden eine Zeit, in der ich ganz für mich und ihn da sein werde und ich werde beginnen ihm die Lieder der Götter zu singen, damit er weiß, wer über ihn wacht in dieser Zeit des Werdens und Wachsens. Bald wird er meine Aufgabe sein.

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Eingeordnet unter März 2015

Wenn ich alt bin, will ich nicht jung aussehen, sondern glücklich.

Fensalir lag erneut hinter mir. Als ich zurückblickte, bemerkte ich, wie sich meine Brust zusammenschnürte. Ich ließ nicht nur Menschen zurück, die mir ans Herz gewachsen waren, sondern auch das Grün des Waldes und der seichten Hügel, die sich weiter nördlich in Fjorde verwandelten. Hier, wo der Thorvaldsstrom nah und der Boden noch recht fruchtbar war, sollte unser Kind seinen ersten Schrei tun. Unser Schiff kam gut vorwärts und der Wind trug uns rasch dem Hafen von EnKara entgegen. Als ich den Boden betrat und die groben Felssteine entlangging, die den Weg in die Stadt markierten, spürte ich, wie mein Schritt immer schwerer und langsamer wurde. Der Abriss und Neubau einiger Häuser in der Stadt war erfolgreich abgeschlossen. Maekyr und ich sollten uns darum kümmern, dass wir ein neues Heim finden, denn auch unser Haus war den Umbauten gewichen.

Ich konnte nicht wirklich beschreiben, was ich empfand, als ich den Innenhof der Oberen Stadt betrat. Mehrmals drehte ich mich um die eigene Achse und versuchte einen Mittelpunkt zu finden. Das kannte man doch – einen Ort, einen Blickwinkel, einen fixen Punkt am Horizont zu wissen, der einem Sicherheit und Ruhe vermittelt. Es ist mein Heimstein und ich bin doch hier glücklich. Maekyr saß auf dem Pflaster und erklärte mir in seiner charmanten Art: „Such du das Haus aus. Ich kümmere mich dann um die Sklaven, die unsere eingelagerten Möbel herauftragen.“ Ich schnaufte, sollten wir uns doch beide darum kümmern. Wohlan, ich schritt die Gassen der oberen Stadt ab und betrat die Häuser, die offen waren. Ich verschwand in einem Kasernenbau, der 4 Wohnungen hat. Ganz oben auf dem Dach ließ ich mich nieder. Ich strich meine Robe glatt und hockte mich in das Grün. Meinen Blick konnte ich weit über das Thassa schweifen lassen. Die Zeit hatte ich völlig vergessen, als ich irgendwann einige Ahn später die Stimmen von Maekyr und Civia hinter mir hörte. Es war Zeit für eine Entscheidung. Hier oben auf dem Dach des Hauses war es mir klar geworden. Langsam streckte ich die Hand nach Maekyr aus und zog ihn zu mir auf den Boden.

Mir fehlten die rechten Worte, doch versuchte ich Maekyr den Zustand meiner Gedanken und Gefühle zu beschreiben. In der Freiheit, des mit einem leichten Wall befestigten Dorfes, war es mir gut gegangen. Maekyrs Augen wirkten seit wir die Stadt betreten hatten, kühl und konzentriert. Ich sagte ihm, dass ich ihn morgens oft beobachte, wenn er erwacht und sich für den Dienst rüstet. Es sind die Momente, in denen er sich unbeobachtet fühlt und nicht glücklich wirkt. Endlich erhob er, nach meinen gesuchten und verschlungenen Worten, seine Stimme. Er sah mich an und sah aus, wie ein kleiner Bengel, den man bei einer Dummheit erwischt hat. Mein Gefährte erklärte mir, dass er für mich in EnKara glücklich sein wollte, doch dass es ihm schwer fiele, da ihm seine Heimat fehlt. Endlich – ja endlich war es ausgesprochen. Ich war fast erleichtert und entspann ein Gespräch darüber, wie sich Maekyr unser Leben vorstellt. Am Ende unseres Austausches stand für uns eine Entscheidung: Wir werden Finn bitten, in Fensalir leben zu können. Die Suche nach einer Bleibe für uns, wurde auf der Stelle eingestellt und das leichte Gepäck zum Gasthof getragen. Bis zum Markt wollten wir in EnKara bleiben. Wir mussten ohnehin einiges an Waren mit in den Norden nehmen. Saria wollte den Markt besuchen kommen. Vielleicht war das eine Möglichkeit, gleich eine Reisegelegenheit zu haben. Mein angespannter Körper sackte zusammen und fühlte sich an, als wäre eine Last von ihm genommen.

Am nächsten Morgen erwachte ich zufrieden aber mit schwerem Herzen. Natürlich fiel mir der Abschied nicht leicht, doch es war die richtige Entscheidung. Auf meinem Kissen fand ich die Nachricht, dass Aegir meinen Gefährten aufgesucht und um Hilfe gebeten hat. Blia war seit ein paar Tagen verschwunden. Das konnte nur heißen, dass ihr etwas zugestoßen sein muss. Aegir machte sich große Sorgen um seine Schwester. Es wurden verschiedene Suchtrupps zusammengestellt und zu unterschiedlichen Orten entsandt, um den Verbleib von Blia zu ermitteln. Hoffentlich würde Maekyr unverletzt zurückkehren.

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Eingeordnet unter Februar 2015

Schenkte man dem Satz „Du bist, was du ißt“, Glauben, so müssten die Kannibalen die einzigen Menschen auf der Welt sein.

Ich hatte meinen Tagebucheintrag unterbrochen, als Maekyr mit einem Mädchen an seiner Kette auftauchte. Ich besah sie mir und konnte gar nicht recht glauben, was ich zu sehen bekam. Es war mehr, als ich zu träumen gehofft hatte. Krallen an Händen und Füssen, angespitzte Zähne – eine Mamba. Bei allen wild herumlaufenden Dingern auf diesem verdammten Planeten, schleppte mein Gefährte ausgerechnet eine Mamba an. Mir schossen als erstes meine Vermutungen über meine mögliche Schwangerschaft in den Kopf und ob ich Maekyr jetzt damit verrückt machen soll. Ich ließ es. Ich sah mir das Mädchen weiter an und schluckte. Das Einzige, was ich wirklich von meinen Gedanken aus meinem Munde brachte, war die Hoffnung, dass er nichts für das Ding bezahlt hat, denn sie war überall an den Ohren und im Gesicht durchstochen und trug seltsame Schmuckstücke. Wertminderungen, die ich als Sklavenhändlerin bei meinen Waren immer vermieden hatte. So, wie ich niemals einem meiner Geschöpfe einen persönlichen Brand gegeben oder irgendwelche Löcher in Brüste und Ohren gepiekt hätte. Maekyrs Blick verriet mir, dass ich besser nicht weiter fragen soll und die Sklavenhändlerin in mir besser vergessen soll.

Maekyr verabschiedete sich zu seinem Dienst und ich stand da mit einem Mädchen, dem ich als erstes die Kette abnahm. Mir war schwindelig. War mir jetzt schwindelig wegen der Mamba und weil ich schneller hätte als ihre Mahlzeit enden können, als ich aka…bata.. sagen kann? Mir war mit einem Mal bewusst, wie verletzlich ich sein konnte, wenn ich tatsächlich das Kind meines Gefährten unter dem Herzen trug. Zuerst hatte ich mir vorgenommen, noch etwas Zeit vergehen zu lassen, doch jetzt hatte sich die Lage geändert. Ich musste Gewissheit haben. Die Heilerin aber war nicht da. Mir schossen 1000 Gedanken durch den Kopf: ich muss auf Maekyr und sein Urteilsvermögen vertrauen. Ich muss dem Mädchen eine Chance geben. Ich muss mein Kind schützen, wenn ich denn den Erben tragen sollte. …und dann waren da noch die Aufgaben, die mir Maekyr angeschafft hatte: sie soll sich waschen die Krallen stutzen und andere Kleidung tragen. Ach ja und ich sollte sie in meinem Haushalt einweisen. Eine Mamba! Er verlangte mir viel ab und ich bemühte mich einen kühlen Kopf zu bewahren und seine Wünsche zu erfüllen. Ich setzte also mein Tara-Lächeln auf und funktionierte, doch mir schwirrte der Kopf, wie ein Bienenschwarm. Genau jetzt, hätte ich einem Metbrauer einiges liefern können.

Ich ließ das Mädchen erst einmal nicht aus den Augen und kam den Wünschen meines Gefährten nach. Dabei unterhielt ich mich mit ihr und ich musste mir eingestehen, dass ich etwas ruhiger wurde. Auch am Abend, als ich mit Saria und Aegir, die noch in der Stadt weilten gesprochen hatte. Aegir war es, der wieder Zweifel streute, doch ich sagte laut und vernehmlich: Der Bondkreis löscht das vorherige Leben aus. Sie ist nun die Sklavin meines Gefährten. Er hat eine Entscheidung für unsere Familie getroffen und ich werde ihn unterstützen. Vielleicht schuf dies auch das Vertrauen, was in Civia langsam wuchs. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass sie mir im Moment näher war, als ihrem Jarl. Eine erste Feuerprobe hat Civia, wir haben ihr ihren alten Rufnahmen erst einmal gelassen, mit Bravour bestanden.

Wir waren zu Saria und Aegir gereist. Ich musste es genau wissen. Würde ich in ein paar Monden meinem Gefährten einen Erben schenken oder spann ich mir nur etwas aus, weil der Gedanke nur zu schön war. Saria untersuchte mich mit Vorsicht und versuchte mir die Ängste zu nehmen, die mit jeder Ihn wuchsen. Ich musste Maekyr noch die „frohe Botschaft“ verkünden. Bei seiner Vorgeschichte war dies der Augenblick, vor dem ich noch die meiste Angst hatte. Saria konnte mir tatsächlich bestätigen, dass ich ein Kind erwartete und als ich es Maekyr erzählte, war seine Reaktion genauso eisig und kühl, wie ich erwartet hatte. Beängstigend kühl. Ihm war nur wichtig, dass mir und dem Kind nichts passiert. Alle anderen Gefühle verschloss er tief in sich und starrte mich die ganze Zeit geistesabwesend an. Just in diesem Moment war es unsere Sklavin, die Seele und Herz zeigte. Sie schaffte es, mich und meine Enttäuschung aufzufangen. Frischer Tee wurde vor meine Nase geschoben, schweigend, einfach nur so. Sie murrte auch nicht, als ich sie Maekyr hinterher schickte. Ich hatte mehr Angst, dass er Dummheiten macht, als, dass ich von der Bank der Hall rutschen könnte. Keine Ahnung, was sie getan hatte. Einige Zeit später stand er neben mir, zog mich in seinen Arm und es schien so etwas wie ein Funke Hoffnung in ihm zu sein, dass alles gut würde.

Civia hatte sicher Menschenfleisch gegessen und war eine stolze Mamba gewesen…War sie nun mehr Mensch als diejenigen, die von sich glaubten, dass sie besser waren?

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Eingeordnet unter Februar 2015

Wenn die Gurken reden könnten…

Tara hatte unruhig geschlafen in dieser Nacht. Sie hatte sich mehrfach hin und her gewälzt. Als sie am Morgen erwachte, wusste sie gar nicht recht, ob sie überhaupt irgendwann geschlafen hatte. Sie warf sich einen Umhang über die Schulter und wollte um die Hütte flitzen, um eine Notdurft zu verrichten. Doch als sie aufstand, musste sie sich wieder setzen. Irgendetwas war anders. In ihrem Kopf drehte etwas. Sie holte tief Luft. Schlecht geschlafen, Odins Blut im Kopf, übermüdet aus dem Bett springen, das schien selbst ihr Kreislauf nicht mitzumachen. Sie tastete sich im Dunklen aus der Hütte, die lediglich vom kargen Licht, den das Kaminfeuer warf, erleuchtet war. Sie kauerte sich hinter die Hütte und zischte. Maekyr hatte es doch übertrieben in der letzten Nacht oder war sie es selbst. Wieder kreiselten Gedanken durch ihren Kopf. Jedenfalls brannte es beim Wasser lassen fürchterlich, so dass sie versuchte den Strom etwas zu verlangsamen, was ihr gelang. Sie stand auf und…da war es wieder, dieses merkwürdige Drehen in ihrem Kopf. Einmal mehr musste sie sich an der Außenwand der Hütte abstützen und tief durchatmen. Alles war gut.

Am Stand der Sonne versuchte sie sich zu orientieren, doch diese war noch nicht hoch am Himmel. Sie kann höchsten 3-4 Ahn geschlafen haben. Müde war sie jedenfalls nicht mehr, das konnte Tara sicher behaupten, als sie in sich hineinlauschte. Nun, dann konnte sie auch auf bleiben und schon alles für die Abreise soweit vorbereiten, dass es keinen Verzug geben würde, obwohl die Hände der mitgenommenen Sklavin fehlten. Sie tapste auf ihren nackten Füssen zurück in die Hütte, gab ihrem schlafenden Gefährten einen zärtlichen Kuss und kleidete sich rasch. Dann legte sie die getrockneten Kleidungsstücke und Reptücher zusammen. Sie packte alles in tragbare Bündel und verknotete alles sorgfältig. Um nicht noch mehr in der Hütte zu hantieren, während Maekyr schlief, schnappte sie sich ihr Tagebuch und ging nach draußen. Am dortigen Lagerfeuer konnte man den Tag gemütlich bei einer Tasse Tee beginnen. Dann würde das flaue Gefühl in ihrem Magen und der dumpfe Kopf schon zur Ruhe kommen können.

Was konnte sie über den gestrigen Tag eintragen? Oh ja, es war der Tag an dem sie überaus heiter aufgestanden und fröhlich in den Wald gelaufen war. Sie hatte ein paar der grünen Spitzen, die die Kräuter im Wald schon zeigten abgezupft, um sich einen Tee zu brühen. Als sie wieder dem nahen Dorf zustrebte, sah sie Maekyr, der Lara an einem Fuß haltend, kopfüber in den Brunnen tunkte. Ihr Kopf muss gänzlich unter Wasser gewesen sein und das ängstliche Ding hat ganz sicher keine Luft mehr bekommen. Auch, als ich näher kam, konnte ich aus den Wortfetzen nicht wirklich verstehen, was das Mädchen mit den „zwei Linken Händen“ und ganz offensichtlich auch „ohne Hirn“ nun schon wieder falsch gemacht hatte. Meine Hoffnung, dass sie aus ihren Fehlern des Vortages gelernt hatte, war wohl vergebens gewesen. Als ich näher kam, tunkte Maekyr sie ein weiteres Mal in das eisige Wasser des Brunnens. Das Wasser muss sich um ihren Hals angefühlt haben, wie Hände, die nach ihr greifen, um sie zu erdrosseln. Diesmal tauchte er sie so tief in das Wasser, dass er ihren Fuss sogar noch ein weiteres Mal greifen musste, um sie nicht fallen zu lassen. Als er sie herauszog, sah sie aus wie eine gebadete Maus. Ihr blonder Haarschopf hing in nassen Strähnen lustlos an ihr herab und ihr Camisk was bis zum Nabel vollgesogen mit dem eisigen Wasser. Lara zitterte und Maekyr schäumte immer noch vor Wut. Ich hoffte, dass meine Worte ihn abhielten, sich weiter auszutoben, doch vergebens. Er griff an seinen Gürtel und zog die Kurt. Eines war mir klar, Lara würde dem Dorf heute nicht mehr allzu nah kommen. Maekyr würde sie sicher aufs Schiff schicken, wo sie auf unsere Abreise, am nächsten Morgen, warten musste. Das alles aber war ein Anblick, für den meine gute Laune nicht gemacht war und so ging ich zu den anderen, die am Feuer schon auf mich warteten. Vic und Saria hatten einen Weiberabend geplant.

Bis dato hatte ich nicht gewusst, dass es in Fensalir, zwischen den Felsen einen Spalt gab, in dem heiße Quellen sprudelten. Ein Geschenk der Götter, welches uns großes Vergnügen bereiten sollte. Vic, die Godia der Hel’s, hatte Gurken bei sich. Sie erklärte im Vorfeld und im Beisein der Kerle der Fensalir, meines und ihres Gefährten, dass die Gurken für Entspannung und Feuchtigkeit sorgen würden. Die Männer waren verwundert, schauten nachdenklich die Gurken an und Maekyr gar war es, der mich beiseite nahm und mich fast bedrohlich ansprach: „Aber nicht, dass die Gurke dein Interesse Übergebür findet.“ Da ich nicht wirklich wusste, was er meint, zuckte ich lediglich mit den Schultern. Wir Weiber jedenfalls nahmen jeder ein Bündel mit ein paar Habseeligkeiten mit uns: frische Kleider, ein paar Naschereien und frische Reptücker,um uns später abzutrocknen und liefen zu den heißen Quellen. Saria ermahnte die Männer noch, dass sie sich ja nicht einfallen lassen sollten zu lunschen. Aber das kam wohl sowieso nicht in Frage, da die Bonds in der Nähe und sehr hitzig waren. Männer und Bonds in die Hall, Weiber zum Schnattern und Gurkengeheimnisse austauschen zu den Quellen. Jede bekam einen kleinen Tigel mit den Schönheitsgeheimnissen der Godia in die Hand gedrückt und behandelte ihren Körper, wie Vic es vormachte damit. Dann stiegen wir zum Entspannen ins Wasser. Saria hatte die großartige Idee, regelmäßige Treffen durchzuführen. Von Clan zu Clan zu ziehen. Die Männer der Clans könnten gemeinsam jagen, die Winterschäden beseitigen und die Frauen könnten nähen, backen und kochen um ein abendliches Fest vorzubereiten. Dabei könnte man Neuigkeiten austauschen und sich Tipps und Tricks für die Hausarbeit verraten. Jeder könnte von den Talenten der anderen profitieren. Wir fanden die Idee so großartig, dass wir nach einer kurzen Diskussion beschlossen, diese den Männern in der Hall sofort vorzutragen. Wir spülten uns die Schönheitsmittel von den Gesichtern und Körpern und rieben uns mit einem wunderbar duftenden und wärmenden Öl ein. Mein ganzer Körper schien zu erblühen als ich mich vorsichtig wieder anzog.

Als wir in die Hall kamen, gab das Mädchen von Vic und Brom gerade ihre Verführungskünste auf dem Tisch der Hall zum besten. Die Männer saßen etwas unruhig und steif auf ihren Plätzen, als wir die Tür öffneten, was auf ihre Erregung hingedeutet haben dürfte. Wir warfen die feuchten Sachen in die Ecke und nun entspannen sich neben der Einnahme von Getränken, ein paar Plänkeleien um die Geheimnisse von Gurken. Tja, wenn diese Gurken reden könnten, dann gäbe es sicher viel zu erzählen. Zum Glück redet ja Gemüse nicht. Maekyr und Finn verschwanden für ein Gespräch unter Männern nach draußen und dann begann die Zeit, wieder einmal Abschied zu nehmen. Maekyr und ich würden morgen abreisen und Brom, der Hel’s Jarl und Vic würden Saria und Aegir noch am heutigen Abend mitnehmen. Ich verließ kurz nach den anderen die Hall und überließ Maekyr einer der Bonds. Myuu sollte dafür sorgen, dass es Maekyr gut ginge und ich hatte ohnehin noch zu tun, denn immerhin mussten die feuchten Sachen bis zum Morgen getrocknet sein. Ich war ziemlich erstaunt, wie schnell mein Gefährte seine Schritte zu der kleinen Hütte lenkte. Ich hatte noch nicht geschlafen. Maekyrs Erregung konnte ich spüren, als er sich zu mir legte. Wir liebten und die halbe Nacht, wobei es mir eher vorkam, wie die ganze, da ich auch danach keine Ruhe finden konnte.

Bald würde es nach En’Kara zurück gehen, in die Stadt der 11 Türme und mich hat das Reisefieber gepackt. Ein dumpfer Kopf und ein flauer Magen begleiten mich diesmal auf dem Heimweg.

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